Wenn ein Speedster angeschafft werden soll…

Vielleicht spielt der eine oder andere von euch mit dem Gedanken, dass ein Speedster vielleicht das passende Fahrzeug wäre und so ein Auto nun gekauft werden soll. Ich bin bei dem Kauf meines Fahrzeuges ja übel über den Tisch gezogen worden. Damit euch das nicht auch passiert und ihr die Tricks dieser Betrüger sofort erkennt und enttarnt, habe ich euch einige Hinweise hier zusammengeschrieben. Die nachstehenden Tipps kann man natürlich auch auf andere Fahrzeuge übertragen, jedoch beziehen sie sich hier lediglich auf den Speedster Replika. Wollt ihr euch also einen Speedster Replika kaufen, solltet ihr unter anderem auf die folgenden Dinge achten:

Zum Fahrzeug:

  • Gebraucht- und Neuwagen unbedingt auf eine Hebebühne fahren und mit der Taschenlampe in den Rahmentunnel des Spenderfahrzeugs leuchten. Ist hier Rost zu finden, wurde das Fahrzeug nicht korrekt aufbereitet. Für das vorläufige Aufhalten von solchen Rostschäden werden schnell bis zu 400 Euro für die Versiegelung fällig. Soll der Rostschaden dauerhaft und endgültig behoben werden, müssen die Bodenbleche entfernt und der Rahmentunnel gestrahlt und nachbehandelt werden. Die Kosten (inkl. Arbeitsstunden) hierfür liegen schnell bei >= 3.000 Euro.

  • Gerade bei den Instrumenten im Cockpit schleichen sich oft Probleme ein. Entweder sind billige Reproteile, verbaut, welche die Werte die sie anzeigen bestenfalls selbst grob schätzen oder es sind original VDO-Instrumente verbaut. Als Tipp: laßt bei der Probefahrt eine GPS-App auf eurem Smartphone mitlaufen. So könnt ihr die Geschwindigkeit und die zurückgelegte Strecke überprüfen. Stimmen die Angaben dann überein, ist zu mindestens der Tachometer ok. Stimmen sie nicht, sind pro Instrument schnell ca. 300 – 550 Euro fällig, wenn man zu gebrauchten Originalen greift. Das die Tankanzeige bei alten Fahrzeugen mit manueller Geber-Technik nicht super korrekt angezeigt wird ist „normal“. Hier gibt es aber mittlerweile auch etliche Tipps und Tricks selbst dieses Problem zu beheben.
     
  • Läuft der Motor bei der Probefahrt nicht korrekt, kann dies Kosten von einigen wenigen Euro bis hin zu einigen tausend Euro verursachen. Im günstigsten Fall, ist lediglich die Zündung einzustellen, im teuersten Fall muss ein neuer Motor her. Hier unbedingt vor dem Kauf einen Fachmann konsultieren. Ein guter Mechaniker erkennt relativ schnell, ob es sich um eine Kleinigkeit oder einen kapitalen Schaden handelt. Der Fachmann kann meist auch beurteilen, ob es sich bei dem Motor um einen solide neu aufgebauten Motor handelt, oder ob es sich um bei den Tuningmaßnahmen um billigen China- oder Brasilienschrott handelt. Er kann zwar auch nicht in den Motor schauen, also via Röntgenblick, aber dennoch hat man so eine fachliche Meinung.

  • Am Besten wäre es, wenn der Verkäufer nachweisen kann, woher der Motor genau stammt und welche Teile im Detail (Herstellernamen, Typennamen etc.) verbaut wurden. Jetzt werdet ihr euch sicher fragen, welcher Verkäufer denn das wohl von seinem Fahrzeug weiss? Am Anfang hätte ich das auch nicht für möglich gehalten, aber die meisten Besitzer solcher Fahrzeuge werden zwangsläufig irgendwann zu Experten ihrer Fahrzeuge. Habt Ihr nämlich später mit dem Fahrzeug ein Problem, muss eine Werkstatt im Schadensfall lange und kostspielig suchen. Genau dann können euch diese Informationen bares Geld sparen. Seriöse Verkäufer solcher Fahrzeuge oder allgemein von Oldtimern sind übrigens meistens sehr fair und stehen auch nach dem Verkauf noch mit Rat und Tat zur Verfügung..

  • Liegt dem Fahrzeug ein Datenblatt bei? Eines wo Angaben zum Motoröl, Ventilspiel, Getriebeöl und verbauten Zündkerzen gemacht sind? Gut, aber vertraut solchen Dokumenten nicht blind. Überprüft diese Angaben oder, wenn ihr es selbst nicht einschätzen könnt, lasst sie von eurer Werkstatt überprüfen. Oftmals ist das was auf diesen Datenblättern steht an Dummheit kaum noch zu überbieten und wird nur als Prosa genutzt um den Kunden zu blenden („Seht, ich bin ein Fachmann!“). Über so manche Angaben würde eine Werkstatt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und wenn das dann auch in Wirklichkeit bei eurem Fahrzeug so zutrifft / so verbaut und umgesetzt wurde, ist der erste Werkstattbesuch schon vorprogrammiert.

  • Ja, es soll ein Spaßauto sein und vornehmlich wurde der originale Speedster für ein Schönwetterland entwickelt. Leider regnet es bei uns ab und an und da wäre es von entscheidendem Vorteil, wenn das Verdeck auch das leisten würde, wofür es montiert wurde. 🙂 Dicht sollte es sein. Bitte hier nicht missverstehen: Die Konstruktion der Frontscheibe wird eine 100%ige Dichtheit nie zulassen, aber einen Regenschauer bei normaler Fahrt sollte das Verdeck überstehen. Also: das Verdeck bei der Besichtigung des Fahrzeuges schließen und alle festen und beweglichen Teile überprüfen. Funktioniert hier etwas nicht richtig oder das Verdeck schließt nicht korrekt, lasst euch nicht mit dem Spruch „Bei Regen fährt man mit einem solchen Auto eh nicht“ vertrösten. Achja: Das Verdeck ist nicht Waschstraßentauglich 😉

  • Passt der angegebene Kilometer-Stand mit der Geschichte die euch der Verkäufer über die Zeit mit seinem Auto erzählt überein? Wenn das Auto z. B. 4.500 km auf der Uhr hat, der Verkäufer euch aber erzählt, dass er die letzten 6 Jahre jedes Jahr mit dem Auto im Urlaub in Italien war, darf der Kilometerstand gerne angezweifelt werden. Gerade bei alten Fahrzeugen ist es eine Leichtigkeit, kurz die Tachowelle vom Instrument abzudrehen. Ergebnis: Das Auto fährt und fährt, die Kilometer bleiben bestehen und keiner merkt es… 🙁

  • Wie sieht es mit einem Servicebuch aus? Ja, solche neu aufgebauten Fahrzeuge haben zwar „ab Werk“ in 99% aller Fälle kein Servicebuch mit dabei, aber solche Bücher kann man auch auf dem Zubehörmarkt kaufen. Wem sein Fahrzeug wichtig ist, der kann zu mindestens über die Wartungsbelege seiner Werkstatt nachweisen, dass regelmäßig Inspektionen ausgeführt wurden. Hat der Verkäufer das alles selbst gemacht, dann gibt es eventuell Belege über die Wartungsteile. Auch alte TÜV-Berichte (älter als zwei Jahre) geben Aufschluss darüber, ob Mängel vorhanden waren und dann entsprechend behoben wurden. 

Über den Händler / Hersteller / Verkäufer:

  • Händler die mit Erfahrung werben sind trotzdem mit Vorsicht zu genießen. Nur weil jemand auf seiner Webseite mit 30 Jahren (mehr oder weniger) Erfahrung wirbt, muss dies 1.) nicht zutreffen und 2.) kann man auch 30 Jahre lang Kunden über den Tisch ziehen. 🙂 Hier unbedingt (soweit vorhanden) die Informationen auf der Webseite des Anbieters prüfen. Wann wurde der Betrieb gegründet, wie lange gibt es die Werkstatt schon etc.. Im Zweifel hilft auch das örtliche Gewerbeamt gerne weiter und gibt entsprechend Auskunft.



  • Händler und Firmen, die eine ausländischen Gesellschaft (z. B. eine Ltd.) im Namen haben, sind zunächst zu überprüfen und meiner persönlichen Erfahrung nach zu meiden. Oftmals können über die ausländischen „Gewerbeämter“ Informationen zu diesem Betrieb kostenlos online abgefragt werden (z. B. für GB auf Companies House Service). Hier einfach den Namen der Firma oder des Inhabers eingeben. Wichtig ist, dass die Firma hier unterbrechungsfrei existiert. Gibt es hier Unterbrechungen die genau in dem Bestell-, Lieferungs- oder Bezahlvorganges eures Fahrzeuges reinfallen. Finger weg! Mit jeder neu Anmeldung und Aufgabe einer solchen Ltd. startet die ganze Firma neu und die Ansprüche gegenüber der „alten“ Firma sind erlöschen. Besteht der Betrieb nicht mehr oder werden keine Informationen gefunden: Unbedingt Finger weg! Es besteht dann keinerlei Gewährleistung, da die Firma nicht oder nicht mehr existiert. Besteht die Firma hingegen noch, seit euch bitte darüber im Klaren, dass ein Rechtsstreit im Schadensfall sehr viel Geld und Zeit kosten kann und da z. B. eine Ltd. bereits mit einem (1) Britischem Pfund gegründet werden kann, wäre der vor Gericht zu erstreitende Betrag auch nicht wirklich eine Entschädigung. 😀

  • Nur das geschriebene Wort zählt. Versprechungen während eines Verkaufsgespräches sind nur bindend, wenn man sie belegen kann. Waren nur der Verkäufer und man selbst im Raum, steht Aussage gegen Aussage. Im Zweifel den Vertrag schriftlich um zusätzliche Vereinbarungen ergänzen lassen. Lehnt der Verkäufer / Hersteller dies kategorisch ab, Finger weg! Hier kommt es aber auf die Sonderwünsche des Käufers an. Das ein Verkäufer teuren Sonderzubehör nicht kostenlos zusagt, sollte klar sein. Wird aber während eines Verkaufsgespräches etwas garantiert, beispielsweise eine Lieferung des Fahrzeuges oder ähnliches, sollte das auch so im Kaufvertrag auftauchen. Wehrt sich der Verkäufer gegen eine Aufnahme in den Kaufvertrag und „verspricht“ euch das Blaue vom Himmel: Finger weg!

  • Habt ihr jemanden gefunden, der das Auto importiert oder wirklich selbst baut? Das könnte im Zweifel rechtlich einen Unterschied machen. Importiert derjenige euer späteres Fahrzeug lediglich, informiert euch vorher, wie es im Fall von technischen Mängeln mit der Gewährleistung aussieht. Im Zweifel haftet nämlich der Hersteller und nicht der Importeur 😉 Baut derjenige das Fahrzeug selber, dann fragt nach der technischer Ausbildung. Das sollte zwar selbstverständlich sein, aber: In Deutschland darf niemand einfach so an Fahrzeugen rum schrauben und diese dann verkaufen. Jedenfalls nicht gewerblich. Hierzu ist eine Ausbildung und der Besitz eines Meisterbriefes notwendig. Zu mindestens aber, muss in einem solchen Betrieb ein KFZ-Meister arbeiten. Wie gesagt, 30 Jahre Erfahrung im Leute  betrügen, ist keine Qualifikation Fahrzeuge zu bauen / zu tunen.

Bei der Besichtigung / Übergabe / Abholung:

  • Wird bei der Fahrzeugübergabe künstlich Druck oder Stress erzeugt, wie „Oh, ich habe heute nicht so viel Zeit!“ oder „Ich muss in 10 Minuten dringend meine Frau abholen!“ etc. Finger weg! Es geht um eventuell viel Geld und da kann es keine Eile geben. Vereinbart also im Vorfeld einen ausreichend langen Termin mit dem Verkäufer. Ein seriöser Verkäufer will sein Fahrzeug ja verkaufen und hat nichts zu verbergen, er wird also nichts dagegen haben, wenn Ihr genauer hinschaut, auch wenn es dann mal etwas länger dauert. Man möge aber Verständnis für den Verkäufer haben, wenn man nach zwei Stunden zum x-ten Mal den letzten TÜV-Beleg sehen möchte… 😉

Über Versicherungen:

  • Hier gibt es zig Anbieter. Wichtig ist hier nur der Unterschied von einer normalen Versicherung zu einer Oldtimer-/ Classic-Car-Versicherung. Während die normale Versicherung bekannt sein sollte, arbeitet eine Oldtimer-Versicherung meistens ohne Kaskoschutz. Eure jahrelang heruntergefahrenen Prozente nützen also nichts, da so ein Fahrzeug in den meisten Fällen über den Wiederbeschaffungswert, Wiederherstellungspreis oder Marktwert versichert wird. Um diesen allerdings wissen zu können (nein, es ist im Zweifel leider nicht der Kaufpreis), muss ein unabhängiges Wertgutachten erstellt werden. Die Kosten für ein solches Gutachten liegen je nach Fahrzeugpreis ab 150 Euro aufwärts und werden vom TÜV oder anderen Verbänden angeboten. Wichtig: Zunächst wird meistens der Fahrzeugpreis bei der Versicherung angegeben, damit kurzfristig ein Versicherungsschutz besteht. Wird anschließend bei dem Gutachten ein höherer Preis ermittelt, steigt natürlich auch der Versicherungsbeitrag…

In der Werkstatt:

  • Gerade ein Oldtimer muss regelmäßig in die Werkstatt. Leider hat ein solches Fahrzeug keine Wartungsintervalle von 30.000 Kilometern Laufleistung. Das heisst aber auch, dass für jede Inspektion oder Wartung Geld in die Hand genommen werden muss. Ja, die Ersatzteile sind oftmals für kleineres Geld zu bekommen (je nach Ersatzteil, versteht sich), aber so ein Ersatzteil muss eben auch fachmännisch verbaut und montiert werden. Könnt ihr das nicht selbst, muss dies eine Werkstatt übernehmen, die das sehr wahrscheinlich nicht gratis machen wird. Was will ich damit sagen? Plant für den Betrieb einen solchen Fahrzeuges Geld für Wartung und Ersatzteile mit ein.

  • Die richtige Werkstatt zu finden könnte in der heutigen Zeit recht problematisch werden. Ich selbst habe drei Anläufe gebraucht. Oftmals sind Werkstätten technisch nicht mehr in der Lage ein solches Auto zu warten. Kein Witz, sobald die Diagnose-Schnittstelle am Fahrzeug fehlt, ist so mancher KFZ-Mechaniker hoffnungslos aufgeschmissen. Und damit möchte ich keinem KFZ-Mechaniker zu nahe treten, aber solche Dinge werden aber heute nicht mehr gelernt oder vermittelt. Wer brauch heute noch das Wissen, wie man eine Doppelvergaseranlage einstellt? Deshalb ist es wichtig sich vielleicht auch schon vor dem Kauf eines solchen Fahrzeuges auf die Suche nach einer geeigneten Werkstatt zu machen. Schaden kann es nicht…

Zur Abnahme / Prüfung / TÜV: 

  • Der TÜV ist und bleibt ein Thema für sich. Ich habe zu Beginn an meinem Fahrzeug Mängel festgestellt, die ich als TÜV-Ingenieur so unter keinen Umständen durchgewunken hätte. Zumal es sich bei neuen Fahrzeugen um eine Neuabnahme handelt. Das heißt, dass hierbei eine vollständige, technische Prüfung durchgeführt werden muss. Wir reden hier nicht von einer Sichtkontrolle, sondern über eine korrekte, vollständige Überprüfung. Die Autos die mir von dem Hersteller meines Fahrzeuges bekannt sind, hätten allesamt die Zulassung nicht erhalten dürfen. Hier ging es bei nicht funktionierender Beleuchtung los, über nicht funktionierende Bremsanlagen und Lenkungen mit sehr (sehr) viel Spiel bis hin zu kapitalen Schäden am Motor inkl. Ölverlust. Also bleiben hier ja nur zwei Möglichkeiten: Entweder der TÜV nimmt es nicht so genau oder er ist bestechlich. Ich unterstelle, ohne Beweise dafür zu haben, letzteres. Wie sonst könnten solche Fahrzeuge durch die Abnahme kommen, wenn der Prüfer hier nicht beide Augen zudrücken würde.

  • Wenn das Fahrzeug entsprechend aufgebaut wurde und alle Bedingungen für einen Oldtimer erfüllt, steht einem H-Kennzeichen nichts im Wege. Ob man das möchte, muss jeder für sich selbst entscheiden. Wichtig ist nur, wenn man sich dafür entscheidet, Anschaffungen vorher mit dem TÜV oder einer anderen geeigneten Stelle abzusprechen. Das heisst nicht, dass ihr für einen Kennzeichenträger zum TÜV müsst, um hier um Erlaubnis zu fragen, aber bestimmte Dinge (z. B. VDO-Instrumente) sollten vor der Auswechselung besprochen werden, wenn sie nicht mehr ganz die Optik und die Technik der alten Zeit ausweisen. So erspart man sich ein böses Erwachen bei dem zweijährig wiederkehrendem Ereignis. Achja, und mittlerweile funktionieren solche Anfragen auch online 🙂

Beim Verkauf:

  • An einem solchen Fahrzeug Porsche Embleme zu montieren und hiermit privat herumzufahren ist rechtlich keine große Sache. Will man so ein Fahrzeug hingegen verkaufen und man betitelt eine Annonce z. B. mit „Porsche 356 Speedster Replika / Nachbau) so bewegt man sich allerdings schon auf sehr dünnem Eis. Fakt Nr. 1.) Es ist kein Porsche! Fakt Nr. 2 Porsche, 356 und Speedster sind rechtlich geschützte Marken- bzw. Produktnamen und dürfen in diesem Zusammenhang nicht verwendet werden. Strenggenommen macht man sich bei einem Verkauf also strafbar, weil man ein Plagiat verkauft. Ob das jemanden interessiert und dieser es dann zur Anklage bringt, steht auf einem anderen Blatt.

Weitere Hinweise werde ich hier nach und nach ergänzen. Wenn euch noch etwas einfällt, was ich oben vergessen habe und nach eurer Meinung unbedingt dazu gehört, bitte eine kurze Nachricht an mich. Ich nehme diese Punkte dann gerne hier mit auf. 🙂

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