Neue Vergaser

Das der Motor nicht sonderlich gut lief, hatte ich bereits bei der ersten Fahrt gemerkt. Trotz warm gefahrenen Motor hatte das Fahrzeug ein extrem unruhigen Lauf mit extremen Drehzahlschwankungen und etlichen Fehlzündungen. Gerade im Lastbereich, also beim Gas geben fehlte einfach Leistung. In Laienworten ausgedrückt, es hörte und fühlte sich an, als wenn der Motor sich überschlug anstatt die Leistung auf die Straße zu bringen. Ich habe das aber zunächst dem neuen Motor zugesprochen. Der muss eben eingefahren werden. Das Einfahrt-Öl war ja auch nicht drin und laut Hersteller wurden die Vergaser etwas „fetter“ eingestellt. Aber nach 150 Kilometer sollte das ja ein Ende haben, weil dann ja die Erst-Inspektion anstand, also Ventile richtig einstellen, Öl wechseln und Vergaser optimieren. 

Gleich vorab, ich war schon nach 20 km in der ersten Werkstatt, weil der Motor so schlecht lief, dass ich dachte, dass er es bis zur richtigen Inspektion nicht übersteht. Erste Diagnose in der ersten Fachwerkstatt: Zündung ist nicht richtig eingestellt. Man hat sich als erstes mal die Zündkerzen angesehen. Die waren schwarz, was eindeutig für eine schlechte Verbrennung und viel zu viel Benzin spricht.

Anhand des Datenblattes des Herstellers hat man den Zündkerzen-Typ überprüft. Vom Hersteller vorgegeben waren NGK D8EA. Bei Abholung verbaut waren NGK D6EA, welche in der ersten Werkstatt auf die empfohlenen NGK D8EA gewechselt wurden. Da hier aber der Wärmewert höher ist als bei den D6EA war abzusehen, dass sich diese auch nicht frei brennen würden. Der Speedster hatte danach für ungefähr 50 Kilometer etwas mehr Leistung, verschwunden war das Problem allerdings nicht und kam schnell zurück. Als nächstes sollten die Vergaser eingestellt werden. Leider war es nicht ganz so einfach, da sich die Vergaser nicht einstellen lassen wollten. Immer wenn der Motorlauf stimmte, also die Drehzahl gleichmäßig blieb und man mal kräftiger aufs Gaspedal trat, oder in der Werkstatt am Gaszug zog, lief der Motor wieder wie ein Eimer Schrauben. Unrund und ruppig, ohne Leistung mit etlichen Fehlzündungen usw..

Technisch hat der Hersteller leider an entscheidenden Stellen gespart. Die Vergaser waren ein Punkt an denen gespart wurde. Ein Motorenbauer aus der Region hat es mir dann so erklärt: „Der verbaute Motor ist ein Doppelkanalmotor und die verbauten Vergaser sind dafür nicht geeignet.“ Der Hersteller hingegen teilte mir mit, dass er das Auto so ja schon zig Mal gebaut habe und nie eine Reklamation bekommen habe. Hm, also was nun? Die erste Werkstatt schlug vor, an dem Auspuff Lambda-Anschlussgewinden einzuschweissen. So könnte man exakt messen, was oben reingeht und unten rauskommt. Leider wollte die Werkstatt dafür 1.200 Euro an Einbau- und Einstellkosten. Der Hersteller hingegen teilte mir mit, ich sollte die Werkstatt wechseln, was ich auch tat.

Kosten für die erste Werkstatt (Fehleranalyse und Zündkerzenwechsel stolze 412 Euro

In der zweiten Werkstatt kümmerte man sich zunächst einmal um die Erstinspektion. Ölwechsel auf das vom Hersteller empfohlene 10W40 Motoröl und das Einstellen der Ventile. Mit den Vergasern hatte diese Werkstatt die gleichen Probleme wie die erste Werkstatt. Nach der Zerlegung der Vergaser wurden einige Teile im rechten Vergaser erneuert (Schwimmer und eine der Düsen). Das Problem hingegen verschwand aber immer noch nicht. Nach wie vor hatte der Motor keine Leistung und lief wie schon zuvor beschrieben.

Kosten bei der zweiten Werkstatt (Ölwechsel, Vergaser prüfen und einstellen sowie Einstellen der Ventile 352 Euro

Auf zur dritten Werkstatt. Hier ging man wirklich super strukturiert vor. Zunächst einmal eine kurze Probefahrt mit den Kunden. Eine erste Analyse, welche man sich durch ein Zündungsmessgerät bestätigen lies. Anschließend wurde die Kompression gemessen und danach ein Blick auf die Zündkerzen. Man nahm sich anschließend noch etwas Zeit um die Vergaser zu prüfen, was aber abgebrochen wurde. Die Vergaser leisteten nicht das, wofür sie eingebaut waren. Gemeinsam mit der Werkstatt habe ich dann die Entscheidung getroffen, die Vergaser zu tauschen. Die Werkstatt empfahl original Weber-Vergaser, welche anschließend auch verbaut wurden. Hier ist ein Vergaser pro Zylinder tätig und nicht wie zuvor ein Vergaser pro Zylinderbank. Man ist also in der Lage später jeden Zylinder entsprechend einzel einzustellen, was das ganze viel genauer macht.

Weiterhin wurde das Drehgasgestänge durch eine Crossbar ausgetauscht. Ich konnte mich anschließend von dem Ergebnis überzeugen. Der Motor stand auf dem Prüfstand und meine Werkstatt hat ihn mal laufen lassen. Keine Fehlzündungen mehr, kein unnötigen Abgase, kein unrunder Lauf des Motors etc.. Also eigentlich so, wie ich es direkt vom Hersteller erwartet hätte. 

Einige Tage später gab es die erste Probefahrt. Ich war echt begeistert. Die neuen Vergaser machen den kleinen Renner richtig spritzig und agil. Man ist ruck zuck bei 120 Km/h und ganz ehrlich, so, genau so habe ich es erwartet, als ich das Auto bestellt und gekauft habe. Ich habe nichts gegen ein bisschen Unruhe im Heck und Fehlzündungen gehören für mich dazu. Aber jetzt bringt der Motor die Leistung auch auf die Straße. Wichtig ist mir hier auch zu erwähnen, dass nun auch die Leerlaufdrehzahl stabil bei unter 1000 U/min läuft. Auch nachdem man aufs Gaspedal getreten hat, bleibt der Motorlauf stabil. Ich bin sehr auf den neuen Verbrach gespannt. 25 Liter / 100 km sollten aber nicht schwer zu schlagen sein. Ich erwarte hier kein Spar-Wunder, nicht missverstehen, aber wenn ich ein etwas längere Strecke fahre, hätte ich schon gerne ein paar Kilometer zwischen den einzelnen Tankstops. 

Kosten für die Weber Vergaser 1500 Euro zzgl. Einbau und Einmessung von ca. 800 Euro.

Die Fahrt von der Wertstatt nach Hause hat richtig Spaß gemacht. Jetzt macht auch das 3.88iger Getriebe Sinn. Jetzt läßt sich das Auto nämlich auch im 4ten Gang beschleunigen, und das sogar richtig gut. Jetzt nehme ich den Motor auch ab, dass man damit auch über 150 km/h kommt, und zwar recht locker. Die Gasannahme ist super, genauso wie die Beschleunigung. Bei 735 kg Gewicht (zzgl. meiner Person) geht es jetzt richtig los. Wirklich toll. Einziger Wermutstropfen: Laut Hersteller sollte das Fahrzeug schon mit den billig Solex-Vergasern 85-90 PS haben. Dass das Auto diese Leistung nicht gebracht hat, hatte ich schon vermutet. Wenn das Auto aber jetzt auf dem Leistungsprüfstand 75 PS hat, dann frage ich mich, was es früher mit den Solex-Vergasern hatte? Es waren defintiv keine 85-90 PS, mit den der Hersteller geworben hat. Egal, ich mache an das Thema nun einen Haken dran 🙂

 

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